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Amway

Wie wird die Überzeugung der 'völligen Freiheit' vom Unternehmen gefördert?


Die Analyse, wie das Ideal der ’völligen Freiheit’ in Amway propagiert und produziert wird, nimmt in meiner Arbeit sechs Seiten ein (Groß 2008, S. 206-211). Hier werden vier Mechanismen beispielhaft genannt:


  • Der Wert ’Freiheit’ erhält eine ganz spezifische Definition im Unternehmen. So wurden mir gegenüber drei Bedeutungen des Wortes ’Freiheit’ genannt: Erstens viel Geld verdienen, zweitens keinen Chef haben und daraus folgt drittens ’tun und lassen können, was man will’. Dieser ’Amwayanischen Freiheit’ widerspricht es z. B. nicht, dass auch bei AW Erfolgreiche Leitlinien zum richtigen Verhalten, Denken und Fühlen vermitteln: "Wenn der Sponsor sagt: springe, dann frage nicht: ’warum?’ Sondern ’wie hoch?’“ (Doppel-Diamant auf dem Halbjahresseminar). Laut Ehemaligen gehört auch die ’Freiheit als Freiheit des Andersdenkenden’ nicht zum Freiheitsverständnis von AW, da Kritik am Unternehmen nicht geäußert werden durfte (siehe auch die Erfahrungsberichte von Scheibeler 2004; Sonnabend 1998).
  • Ein Mechanismus, mit dessen Hilfe das spezifische Freiheitsverständnis von Amway propagiert wird, sind drei Gleichsetzungen, die auf Veranstaltungen und in Schriften propagiert werden (Quellen s. Groß 2008): 1. Selbständigkeit entspricht viel Geld, 2. Selbständigkeit entspricht Freiheit und 3. viel Geld entspricht Freiheit. Jede dieser Gleichsetzungen lässt sich hinterfragen, denn 1. können Selbständige und Unternehmen bankrott gehen und längst nicht alle Unternehmen werfen viel Gewinn ab. 2. sind Selbständige zwar keinem Chef verpflichtet, aber vom Markt abhängig. Dies kann nicht nur befreien, sondern auch Stress verursachen. 3. kann Geld zu materieller Freiheit führen, aber es gibt auch andere Formen von Freiheit (s. o.).
  • Zweifel und Kritik werden als ’Kleingläubigkeit’ abgewertet. Die kontinuierliche Betonung der Chancen im Unternehmen verdeckt, dass jeder der aufsteigen möchte, eine Vielzahl Mitglieder in seiner Downline benötigt. Es gibt durchaus Erfolgreiche, jedoch ist nicht die absolute Zahl alleine interessant, sondern der Anteil der Erfolgreichen im Vergleich zu den Nicht-Erfolgreichen (s. dazu Kapitel 9.4). Zweifel und Kritik am System und der Möglichkeit, mit AW finanziell frei zu werden, werden jedoch laut Kritikern nicht Ernst genommen. Im Gegenteil, sie werden als ’Kleingläubigkeit’ und Ausdruck mangelnden individuellen Selbstvertrauens interpretiert (Andrews 2001). Beispielhaft aus meiner Erhebung sei dieses Zitat eines Rubins genannt: "Der (...) Punkt ist, dass viele Menschen die Vorstellung nicht haben, dass sie etwas Großes sein können. Und dadurch, dass sie nicht etwas Großes sein können, ja, besteht für sie die Idee: Alles was sie nicht kennen – wegschieben!“
  • Vorbilder schwärmen von ihren erreichten Zielen und verkörpern diese. Auf den Wochenschulungen sowie auf den größeren Seminaren treten SprecherInnen auf, die in AW erfolgreich geworden sind. Sie präsentieren sich als die Verkörperung des amerikanischen Traums (s. Bromley 1995; 1998; Lan 2002) und spornen Mitglieder zu Leistung an. Das Gleiche gilt für Videos und Bilder von Traumvillen, Luxusautos und teuren Uhren, die auf den Halbjahresseminaren gezeigt werden: Die Bilder suggerieren, dass AW der Schlüssel zu diesem Wohlstand ist. Ehemalige Mitglieder betonen dagegen, dass unklar ist, ob Mitglieder mit einer einmal erreichten Erfolgsebene weiterhin den entsprechenden Gruppenumsatz erbringen. Da eine einmal erreichte Erfolgsebenen nicht mehr aberkannt wird, wurde ich darauf hingewiesen, dass ehemalige Mitglieder aus persönlichen Gesprächen (und ihrer eigenen Erfahrung) wissen, dass nicht jeder, der sich als Vertreter einer bestimmten Erfolgsstufe (z. B. Platin, Rubin, Smaragd etc.) präsentiert, tatsächlich noch diesen Erfolg hat.

 
-  Die 'völlige Freiheit' aus Sicht bestehender und ehemaliger Mitglieder
-  Welchen möglichen Nutzen hat diese Überzeugung für das Unternehmen?
-  Wie wird die Überzeugung der 'völligen Freiheit' vom Unternehmen gefördert?